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frei.werden

sommer, ruhe, gewitter, urlaubsfreude

.. welcher Begriff passt nicht in die Reihe? - Entscheidet selbst.

 Nun bin ich also offiziell volljährig, (nicht gerade problemlos) dem Abitur einen Schritt nähergekommen und euphorisch, jetzt auch das Thema "Führerschein" in Angriff zu nehmen - und doch: die Sommerstimmung will dieses Jahr nicht so recht aufkommen. Und dennoch stellt es mich mehr als zufrieden, dass ich nun wochenlang das tun kann, was ich wirklich tun möchte: Radtouren machen, ein wenig Sport treiben und lesen, lesen, lesen. R. schenkte mir zum 18. Bücher von Sloterdijk und Jacques Derrida, aber letzteren werde ich wohl erst verstehen, wenn ich mich erst einmal allumfassend mit der "Philosophie der Postmoderne" beschäftige. Die Einführung in Judith Butlers Denken jedenfalls ist bisher sehr interessant, sodass meine Rhetorik momentan - laut T. zumindest - etwas verquer und mühsam erscheint. Ein wenig wie Hannelore Bublitz vielleicht, die die Einführung verfasst hat: "Die politische Theorie von Judith Butler kann unter dem Titel subversive Politik des Subversiven subsumiert werden."

Heute ist ein Tag des Aufarbeitens, Ordnungschaffens, der Vorfreude auf die Zukunft schon der Erfahrungen wegen, die ich machen werde. Ich erinnere mich heute mehr denn je an letzten Sommer - Es war eine zähe Zeit, mir ist es nie gelungen, seitdem wirklich darüber hinwegzukommen, wie unfrei ich war. Wie oft ich mich nach R. sehnte und in all dieser Sehnsucht vergaß, dass auch wieder eine Zeit wie diese kommen würde. Dass die Normalität die vergangenen Gefühle zunichte machen würde. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass mir mein Jahr fern des vertrauten Bodens dabei geholfen hat, mich und mein Leben zu finden.

Morgen sind Tocotronic in Bochum! Ich kann zwar deren Texte nicht auswendig, aber ich vertraue da ganz auf L. und ihre Gesangskünste

22.6.07 16:42


Mai & Regen

Bis zuletzt hoffte ich ein wenig darauf, das Passwort zu dieser Seite vergessen zu haben, um nicht wieder festzustellen, wie schwer es mir so lange schon fällt, meine Gedanken niederzuschreiben und sie letztlich als treffend zu betrachten.

Da ist immer wieder der Drang, innezuhalten und mich zu fragen, ob ich glücklich bin. Reines Glück sollte niemandes Priorität sein; es kann nicht dadurch erreicht werden, ein hedonistisches Leben zu führen, auch bewirkt das eigene Glück nichts großes, weltenveränderndes. Und dennoch hält er mich zurück, dieser leise Zweifel am eigenen Glück, hemmt meine Euphorie, die sich gen Zukunft richtet, in der ich das Leben führen können werde, nachdem ich mich sehne. (Oder, wie Alex in "Alles ist erleuchtet" resümierend sagen würde: "Mein Leben ist unübereindruckend.)

Ich vermisse R., vermisse es auch, eine etwas längere Zeit mit ihm verbringen zu können, etwas mehr als ein paar Stunden, die so schnell vergehen und dadurch so kostbar erscheinen. Doch habe ich das Gefühl, dass er den für sich richtigen Weg eingeschlagen hat, wenn ich das latente Leuchten in seinen Augen bemerke, dass es wert ist, seine Zeit mit den Dingen zu verbringen, für die er sich einsetzt. Mit dem Bruch des letztlich grob festgelegten Rahmens unserer Beziehung, der uns bis vor einigen Wochen noch umgab, ging für mich ein Gefühl des Verlorenseins einher; ich machte den Fehler zu glauben, dass sich nun niemand mehr dafür verantwortlich fühlen würde, mir übers Haar zu streichen, wenn ich von etwas träume, das ich nicht vergessen kann, dass so nur die Möglichkeit bestünde, von einen auf den anderen Tag zu gehen. Doch langsam lerne ich, dass all das größtenteils meine Schuld war und dass ich es nicht rückgängig machen kann: Den Verlust von Vertrauen als irreversiblen Prozess anzuerkennen ist wohl auch ein Zeichen von Stärke. Ich schulde ihm noch immer eine genauere Ausarbeitung, wie ich mir nun einen weiteren Umgang miteinander vorstelle. Ans Würmchen: Ich hoffe, du verbringst eine wunderbare, erholsame Zeit in Berlin..

Montag, auf dem Rückweg vom AI-Bürodienst - den ich ausschließlich tazlesend und mathelernend verbrachte, weil sich die Kurden nach der Bürobesetzung in Hamburg & Berlin offensichtlich zurückhielten - hatte ich eine seltsame Begegnung, die zu vergessen mir schwerfällt: Ich schlief immer wieder ein, konnte mich weder auf den ZEIT-Artikel auf meinem Schoß konzentrieren noch auf die vorbeiziehenden Landschaften, mit denen ich nichts zu tun hatte, als ich zwischendurch wahrnahm, dass mich ein junger, vielleicht 22-jähriger Mann anlächelte. Er setzte sich nach ein paar Stationen neben mich, legte die Hand auf meine linke Schulter, was ich nicht befremdlich fand, weil es so richtig schien, mir ein Gefühl von Geborgenheit vermittelte. Er drückte mir seinen (schwarzen, starken) Kaffee in die Hand und wir diskutierten über Bücher, die uns auf irgendeine Weise geprägt haben und auch über solche, die gelesen zu haben wir uns nicht einmal mehr bewusst waren. Als ich - im letzten Moment - ausstieg, war keiner von uns Beiden in der Lage, angemessen zu reagieren. Ich gab ihm eine falsche Telefonnummer, die er sich nicht aufschrieb, aber sein Gesicht habe ich deutlicher in Erinnerung als alles, was sich mir seitdem dargeboten hat.

Und dann ist da noch: das Verstehen-Müssen aller Dinge, die mit dem bloßen Verstand greifbar sind, die irgendwo versteckt sind in dem geballten Wissen riesiger Bücher, auch das Verstehen-Müssen der Menschen, mit denen ich mich umgebe. Neben mir liegt die Sartre-Biographie von Bernard Henri-Lévy, die ich lange schon lesen möchte,
außerdem: "Die alltägliche Physik des Unglücks" von Marisha Pessl, das K. mir schenkte, nachdem ich eine weitere Matheklausur in den Sand gesetzt hatte. Ich hoffe, die Bücher bald lesen - vielleicht auf der Fahrt nach München - und anschließend darüber Bericht erstatten zu können








Langsam scheint übrigens die Sonne.

17.5.07 15:32


Und schon wieder habe ich mich nicht an mein Vorhaben gehalten, diese Seite zum stetigen Dokument und zur Verschriftlichung meines Lebens zu gestalten, woran es mir seit einiger Zeit entschieden mangelt. Die ursprünglich konsequenten Worte "Dies wird sich nun ändern" verlieren damit an Gültigkeit, verschwinden werden sie, wie ich hoffe, aber niemals.
Daher - nicht zuletzt dank R.s Motivation - hiermit ein weiterer Versuch, die Idee am Leben zu halten und sie stringent weiterzuführen. Für die lustlosen und der anbrechenden Sommerzeit unangepassten Farben bitte ich um Entschuldigung; ich finde mich nicht so richtig zurecht.

Helfen würden mir zunächst ein paar Gedanken: Was möchte ich mit meinem Blog erreichen? Wie alle (mehr oder weniger) alltäglichen Handlungen braucht auch diese hier ein Ziel, muss sich darüber bewusst sein, auf welcher Ambition sie sich gründet. Primär möchte ich wieder lernen, mein Verhalten, meine Gedanken und Vorurteile, die sich teilweise sicherlich unbemerkt in meinem Charakter festigen, zu rechtfertigen, ihnen kritisch gegenüberzustehen, sie auch anderen erklären zu können. Ich bin damit schon eine lange Zeit beschäftigt, doch glaube ich, dass mir dieses Anliegen als solches zunehmend in letzter Zeit abhanden kam. Aus diesen Gedanken lässt sich ableiten, dass ich nicht unbedingt breite Leserschaften anstrebe; ich bin der Meinung, dass ein Blog nicht der adäquateste Weg dafür ist (Alternativen könnten sicherlich mal in einem anderen Artikel überdacht werden). Doch soll dies ein Experiment sein, dass mich zum Schreiben zwingt, was ich solange vernachlässtigt habe. Es soll mir ermöglichen, die Worte wiederzufinden, einen Ausdruck für das, was wortlos, schweigend in meinem Kopf vorgeht. Ich will nicht länger schweigen, wenn ich vor anderen Menschen rechtfertigen muss, was ich tue, nur weil ich Fragen viel zu oft als verletzende Provokation auffasse.

Da meine Ferien nicht ganz unereignisreich waren folgt bestimmt noch ein weiterer Eintrag Genießt den schönen Sommertag, ich werde mich derweil in die "Phänomenologie des Geistes" einarbeiten. Das erfordere ein gewisses Grad an Konzentration, sagte man mir.

15.4.07 16:03


Oktober

Wenn ich für eine Weile die Augen geschlossen halte und mich auf den Schwall der kühlen, klaren Luft konzentriere, die von irgendwoher (von einem anonymen Ort, der genauso unruhig ist wie ich?) auf mein Gesicht strömt, dann breitet sich in meiner Seele - alsbald das Gefühl von der endlosen Freiheit, der ich hier an meinem Platz nur als stille Beobachterin beiwohne, verschwunden ist - eine tiefe Traurigkeit aus. 
Es ist eine stille Resignation, gestern noch nicht in jenem großen Ausmaß 
erwartet, morgen ein bloßes Nachvollziehen meiner vergangenen Gedanken. Ich rege mich nicht, bin lautlos, will weder gesehen noch gehört werden in meiner Welt, sie sich nun nicht mehr mit der der lachenden, glücklichen Menschen kreuzt oder es nie getan hat. Doch die Ruhe, von der viele weise Menschen sagen, sie stelle sich bei Gewissheit ein - sie bleibt aus; noch immer gelingt es mir nicht, tiefer in den Gedankenstrom einzudringen, der sich mir seit (viel zu) langer Zeit darbietet.

Dort kommt eine Gruppe junger Mädchen, allesamt vergnügt und offensichtlich schon seit einer Weile amüsiert lachend, denn sie klingen routiniert, eingeübt in ihren Gesten und dennoch macht mich ihr Kichern nervös oder zumindest scheint es mir schräg oder dissonant zu sein. Dissonanz, weil ich mich nicht mehr an den Punkt meines Lebens erinnere, an dem ich entschied, bewusst anders zu sein? Als sie sich mir nähern, reden alle quer durcheinander, genießen es, im allgemeinen Stimmengewirr unterzutauchen, verstehen sich nicht, drehen ab- und zu den Kopf nach links oder rechts, um unmissverständlich zu signalisieren, dass lieber hätte geschwiegen werden sollen. Oder gelacht. Es macht mich müde, darauf zu achten, was sie sagen. Dass zumindest Eine von den Mädchen Kongenialität, Leichtigkeit oder Wissbegierde aufweist, einer Intelligibilität befähigt, die die Kraft hat, den Lauf der Welt zu verändern, ist nicht auszuschließen, doch kann der Beobachter ebenfalls nur schwerlich übersehen, dass sie sich in der Masse des Gesehenwerdens und Populärseins wohlfühlen, verschwommen, vielleicht gedankenlos. Das bringt mich letzten Endes dazu, aufzustehen und wegzugehen. Um mich herum scheint der Wind anders zu wehen. Aber: Ich spüre ihn wieder. Und ich weiß, dass das Leben entweder sofort anfängt oder nie mehr wieder.
6.3.07 14:26





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