Startseite
    frei.werden
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 



http://myblog.de/werden

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Mai & Regen

Bis zuletzt hoffte ich ein wenig darauf, das Passwort zu dieser Seite vergessen zu haben, um nicht wieder festzustellen, wie schwer es mir so lange schon fällt, meine Gedanken niederzuschreiben und sie letztlich als treffend zu betrachten.

Da ist immer wieder der Drang, innezuhalten und mich zu fragen, ob ich glücklich bin. Reines Glück sollte niemandes Priorität sein; es kann nicht dadurch erreicht werden, ein hedonistisches Leben zu führen, auch bewirkt das eigene Glück nichts großes, weltenveränderndes. Und dennoch hält er mich zurück, dieser leise Zweifel am eigenen Glück, hemmt meine Euphorie, die sich gen Zukunft richtet, in der ich das Leben führen können werde, nachdem ich mich sehne. (Oder, wie Alex in "Alles ist erleuchtet" resümierend sagen würde: "Mein Leben ist unübereindruckend.)

Ich vermisse R., vermisse es auch, eine etwas längere Zeit mit ihm verbringen zu können, etwas mehr als ein paar Stunden, die so schnell vergehen und dadurch so kostbar erscheinen. Doch habe ich das Gefühl, dass er den für sich richtigen Weg eingeschlagen hat, wenn ich das latente Leuchten in seinen Augen bemerke, dass es wert ist, seine Zeit mit den Dingen zu verbringen, für die er sich einsetzt. Mit dem Bruch des letztlich grob festgelegten Rahmens unserer Beziehung, der uns bis vor einigen Wochen noch umgab, ging für mich ein Gefühl des Verlorenseins einher; ich machte den Fehler zu glauben, dass sich nun niemand mehr dafür verantwortlich fühlen würde, mir übers Haar zu streichen, wenn ich von etwas träume, das ich nicht vergessen kann, dass so nur die Möglichkeit bestünde, von einen auf den anderen Tag zu gehen. Doch langsam lerne ich, dass all das größtenteils meine Schuld war und dass ich es nicht rückgängig machen kann: Den Verlust von Vertrauen als irreversiblen Prozess anzuerkennen ist wohl auch ein Zeichen von Stärke. Ich schulde ihm noch immer eine genauere Ausarbeitung, wie ich mir nun einen weiteren Umgang miteinander vorstelle. Ans Würmchen: Ich hoffe, du verbringst eine wunderbare, erholsame Zeit in Berlin..

Montag, auf dem Rückweg vom AI-Bürodienst - den ich ausschließlich tazlesend und mathelernend verbrachte, weil sich die Kurden nach der Bürobesetzung in Hamburg & Berlin offensichtlich zurückhielten - hatte ich eine seltsame Begegnung, die zu vergessen mir schwerfällt: Ich schlief immer wieder ein, konnte mich weder auf den ZEIT-Artikel auf meinem Schoß konzentrieren noch auf die vorbeiziehenden Landschaften, mit denen ich nichts zu tun hatte, als ich zwischendurch wahrnahm, dass mich ein junger, vielleicht 22-jähriger Mann anlächelte. Er setzte sich nach ein paar Stationen neben mich, legte die Hand auf meine linke Schulter, was ich nicht befremdlich fand, weil es so richtig schien, mir ein Gefühl von Geborgenheit vermittelte. Er drückte mir seinen (schwarzen, starken) Kaffee in die Hand und wir diskutierten über Bücher, die uns auf irgendeine Weise geprägt haben und auch über solche, die gelesen zu haben wir uns nicht einmal mehr bewusst waren. Als ich - im letzten Moment - ausstieg, war keiner von uns Beiden in der Lage, angemessen zu reagieren. Ich gab ihm eine falsche Telefonnummer, die er sich nicht aufschrieb, aber sein Gesicht habe ich deutlicher in Erinnerung als alles, was sich mir seitdem dargeboten hat.

Und dann ist da noch: das Verstehen-Müssen aller Dinge, die mit dem bloßen Verstand greifbar sind, die irgendwo versteckt sind in dem geballten Wissen riesiger Bücher, auch das Verstehen-Müssen der Menschen, mit denen ich mich umgebe. Neben mir liegt die Sartre-Biographie von Bernard Henri-Lévy, die ich lange schon lesen möchte,
außerdem: "Die alltägliche Physik des Unglücks" von Marisha Pessl, das K. mir schenkte, nachdem ich eine weitere Matheklausur in den Sand gesetzt hatte. Ich hoffe, die Bücher bald lesen - vielleicht auf der Fahrt nach München - und anschließend darüber Bericht erstatten zu können








Langsam scheint übrigens die Sonne.

17.5.07 15:32





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung