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Oktober

Wenn ich für eine Weile die Augen geschlossen halte und mich auf den Schwall der kühlen, klaren Luft konzentriere, die von irgendwoher (von einem anonymen Ort, der genauso unruhig ist wie ich?) auf mein Gesicht strömt, dann breitet sich in meiner Seele - alsbald das Gefühl von der endlosen Freiheit, der ich hier an meinem Platz nur als stille Beobachterin beiwohne, verschwunden ist - eine tiefe Traurigkeit aus. 
Es ist eine stille Resignation, gestern noch nicht in jenem großen Ausmaß 
erwartet, morgen ein bloßes Nachvollziehen meiner vergangenen Gedanken. Ich rege mich nicht, bin lautlos, will weder gesehen noch gehört werden in meiner Welt, sie sich nun nicht mehr mit der der lachenden, glücklichen Menschen kreuzt oder es nie getan hat. Doch die Ruhe, von der viele weise Menschen sagen, sie stelle sich bei Gewissheit ein - sie bleibt aus; noch immer gelingt es mir nicht, tiefer in den Gedankenstrom einzudringen, der sich mir seit (viel zu) langer Zeit darbietet.

Dort kommt eine Gruppe junger Mädchen, allesamt vergnügt und offensichtlich schon seit einer Weile amüsiert lachend, denn sie klingen routiniert, eingeübt in ihren Gesten und dennoch macht mich ihr Kichern nervös oder zumindest scheint es mir schräg oder dissonant zu sein. Dissonanz, weil ich mich nicht mehr an den Punkt meines Lebens erinnere, an dem ich entschied, bewusst anders zu sein? Als sie sich mir nähern, reden alle quer durcheinander, genießen es, im allgemeinen Stimmengewirr unterzutauchen, verstehen sich nicht, drehen ab- und zu den Kopf nach links oder rechts, um unmissverständlich zu signalisieren, dass lieber hätte geschwiegen werden sollen. Oder gelacht. Es macht mich müde, darauf zu achten, was sie sagen. Dass zumindest Eine von den Mädchen Kongenialität, Leichtigkeit oder Wissbegierde aufweist, einer Intelligibilität befähigt, die die Kraft hat, den Lauf der Welt zu verändern, ist nicht auszuschließen, doch kann der Beobachter ebenfalls nur schwerlich übersehen, dass sie sich in der Masse des Gesehenwerdens und Populärseins wohlfühlen, verschwommen, vielleicht gedankenlos. Das bringt mich letzten Endes dazu, aufzustehen und wegzugehen. Um mich herum scheint der Wind anders zu wehen. Aber: Ich spüre ihn wieder. Und ich weiß, dass das Leben entweder sofort anfängt oder nie mehr wieder.
6.3.07 14:26





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